Sonntag, 16. Juli 2017

Tanya goes University


Es ist schon ein Weile her seit ich etwas gepostet habe.. Mein Kopf war leer und ich war unschlüssig welches Thema ich als nächstes anschneiden könnte.
Klar hatte ich endlich mal das Vergnügen in den Genuss von etwas längeren Läufen zu kommen und hätte stundenlang darüber sinnieren können. Auf die Gefahr hin dass es nur wenige verstehen was während meinem langen Lauf für Dinge in mir vorgehen und was am Ende dabei hervorkommt.

Ich hatte lange Zeit, nur mit mir selbst und mit der Natur - machte mir Gedanken über mein Leben. Es geht mir gut! Ich habe meine Füße im Griff, meine Familie ist gesund usw. aber irgendwie fehlt was..

Mein Job der mich mental und körperlich manchmal an meine Grenzen bringt geht mir mehr und mehr durch den Kopf. Kann ich das noch 35 Jahre? Oder will ich das noch 35 Jahre?
Man darf mich nicht falsch verstehen, denn ich mag meinen Beruf, das habe ich oft geschrieben, verteidigt, gerechtfertigt. In mir fühlt es sich aber an als ob ich noch nicht fertig bin - mit lernen.. Kurs um Kurs um Kurs habe ich abgeschlossen um festzustellen dass es nur kurze Zeit braucht bis mein Hunger nach mehr nicht gestillt wurde.

Ich habe eine Entscheidung getroffen von der ich dachte dass mich da mein Leben nie hinführt. Studieren? Ich? Nö.. Zu theoretisch, zu abstrakt. Im Hörsaal sitzen, nicht arbeiten. Womöglich jemand werden, der der Pflege noch mehr Bürokratische Aufgaben um die Ohren schlägt (Pflegepädagogik, Pflegemanagement). Damit wollte ich mich nicht anfreunden.



Ich stolperte in meinen Recherchen über die Möglichkeit vom Fernstudium. Ein echtes Studium - kein Lehrgang oder Kurs. So bin ich dazu gekommen. Aktuell bin ich immatrikuliert im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit. Was mit Menschen, was praktisches, natürlich auch da nicht ohne Bürokratie aber etwas anderes. Ein Tapetenwechsel. Nebenberuflich und in Teilzeit werde ich die nächsten 4 Jahre damit zubringen.

Um meine Pflegetätigkeit geltend zu machen, habe ich eine Hausarbeit geschrieben. Man hat den Anspruch prüfen zu lassen ob Vorleistungen geltend gemacht werden können. Dies versuche ich nun. Es kann nicht umsonst gewesen sein 10 Jahre lang der Pflege gewidmet zu haben. Ich habe mein bestes hineingesteckt und hoffe auch dass dies gesehen wird. Theoretische Inhalte werde ich mir erneut zu Gemüte führen aber doch würde ich mich freuen wenn ein paar Praxistage wegfallen würden, welche man benötigt um am Ende die staatliche Anerkennung zu erhalten - DIE WILL ICH!



Ich will euch Teilhaben lassen an meinem Essay als Vorgeschmack auf dass was vielleicht in Zukunft hier mit meinem Blog passiert.
Viele haben Ihr Bild von der Pflege und meist ist es nicht Real. Krankenschwestern mit Kaffeetassen sind längst Geschichte. Der Großteil unserer Aufgabe besteht in meinen Augen auch darin verbale Künstler zu sein. Die heutige Gesellschaft benötigt mehr als früher und es ist teils schon eine Herausforderung alle Informationsbedürfnisse der einzelnen zu befriedigen.

Ein Einblick:





Das erste Essay meines Lebens :)


Anleitung und Qualifizierung von neuen Kollegen
Unmittelbar in meinem Team - das für innere Medizin im weitesten Sinn, aber Kardiologie und Rhythmologie im engeren Sinne zuständig ist - bin ich für die Einarbeitung von neuen Mitarbeitern zuständig. Ich sorge dafür, dass ein regelrechter und fachspezifischer Informationsfluss zwischen neuen Mitarbeitern, mir der Anleiterin und dem jeweiligen Gegenüber besteht.
Ich vermittele und koordiniere hierbei Aufgaben und Austausch zwischen den verschiedenen Berufsgruppen (Ärzte, Pflegekräfte, Hilfs- und Reinigungspersonal, Mitarbeiter der sozialen Dienste oder auch Physiotherapeuten) und zeige neuen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, worauf es in der kooperativen Kommunikation ankommt. Hierbei kommen medizinische, pflegerische, soziale, kulturelle, rechtliche und ethische Aspekte natürlich zum Tragen, da sie jeden Tag an Patienten in konkreten Fällen in komplexer Komposition vorliegen.
Die neue Pflegefachkraft lernt dabei auch administrative Aufgaben kennen und muss diese unter meiner Aufsicht einüben. Um Fehlerquellen zu vermeiden (z.B. bei Laboruntersuchungen, Einschätzung von Pflegeaufwand, Digitalisierung von schriftlichen Dokumenten, professionelle Bearbeitung von Akten und Dokumentationsberichten, sowie das fachgerechte Führen von Telefongesprächen im Rahmen von Verlegungen/Entlassungen von Patienten in externe Einrichtungen) ist eine transparente und schlüssige Anleitung notwendig.
Andere fachliche Aufgaben, die ich in begleitender Funktion kollegial unterrichte, umfassen den Umgang mit medizinischem und pflegerischem Arbeitsmaterial (z.B. Verbände, Materialsets zur invasiven Diagnostik, verschiedenste Schlauch- und Kathetersysteme aller Art, Inkontinenzmaterialien) und Medikamenten, deren Wirkungen, Nebenwirkungen sowie die Regeln hinsichtlich deren Verabreichungen und Zubereitungen von Infusionslösungen.


Ich zeige auch den neuen Mitarbeitern, wie der Arbeitsrhythmus unserer Station in den einzelnen Schichtdiensten abläuft. Wir gehen diesen gemeinsam durch, um während der Einarbeitung eines jeden neuen Mitarbeiters auch die eigenen Strukturen zu festigen bzw. zu reflektieren und das Selbstständige Arbeiten eines jeden Team-Mitgliedes zu fördern. Die Überprüfung des Standes der Einarbeitung erfolgt durch mehrere persönliche Gespräche in Wochenintervallen. Diese werden dokumentiert und an die zuständigen Vorgesetzten übermittelt.
Fachspezifische Besonderheiten unserer Station (invasive Rhythmologie, Kardiologie, Pulmologie - palliativ sowie kurativ) werden mündlich und praktisch unter Anleitung bearbeitet und zusätzlich mit einem schriftlichen Handout zu gängigen Procederen zur Vor- und Nachbereitung von speziellen Untersuchungen und den allgemein geltenden Kürzeln der einzelnen Begriffe unterstützt.
Der Mitarbeiter erhält eine Einweisung in die Krankenhaushygiene und lernt den Fortbildungskatalog kennen, um Pflichtveranstaltungen wie etwa zum Thema Brandschutz, Geräteunterweisung oder Arbeitssicherheit in Eigenverantwortung besuchen zu können. So werden auch neue Mitarbeiten in die kontinuierlichen Fortbildungsprozesse des Klinikums eingebunden. Nach der Einarbeitung des neuen Mitarbeiters erfolgt die Abgabe des dokumentierten Einarbeitungsprotokolls; trotzdem besteht auch während, vor und nach allen Diensten die Möglichkeit, spezifische Fragen oder konkrete Situationen zu klären oder zu reflektieren. In unserem kollegialen Umfeld stehe ich auch nach der obligatorischen vierwöchigen Einarbeitungsphase weiter als Mentor zur Verfügung.


Betreuung von Gesundheits- und Krankenpflegeschüler/innen im Rahmen ihrer Ausbildung
Neben der Einarbeitung von bereits ausgebildeten Fachkräften, bin ich auch als Praxisanleiterin für die praktische Ausbildung der Berufsfachschule für Krankenpflege aktiv. Das größte Feld meiner Praxisanleitungsfunktion bezieht sich daher natürlich vorrangig auf die Gesundheits- und Krankenpflegeschüler am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau. Hier liegt die Besonderheit meiner Arbeit im Umgang mit überwiegend Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in der fachlichen und existenziellen Herausforderung das Ausbildungsziel zu erreichen stehen.
Die Auszubildenden stehen in verschiedenen Entwicklungsstufen und haben alle unterschiedliche Voraussetzungen mitgebracht. Sie sind als Individuum zu sehen und in ihrer jeweiligen Situation zu unterstützen, aber auch in ihrer besonderen Eignungen und Neigungen zu fördern. Durch meine Weiterbildung als Praxisanleiterin lernte ich den Umgang mit den meist jungen Menschen genau zu betrachten und Rücksicht auf persönliche Umstände in den einzelnen Altersstufen und die Lernentwicklung zu nehmen. Ich muss daher die Qualifikation dieser Schüler selbstständig während des Praxiseinsatzes schriftlich beurteilen und diesen Schülern, aber auch ihren Lehrern fortlaufend mündliche Feedbacks geben.
Die Schüler lernen im Umfeld eines stabilen Teams Vertrauen und Sicherheit zu fassen, um die einzelnen Pflegetechniken, die zuvor als Theorie in der Berufsfachschule für Krankenpflege gelehrt wurden, praktisch und Schritt für Schritt unter Anleitung an den uns anvertrauten Patienten zu leisten. Dies ist für alle eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Situation und Aufgabe, darin sich die Notlage des Patienten mit der noch nicht routinierten Expertise der Auszubildenden kreuzen. Sie lernen auf unserer Station vornehmlich den Umgang mit älteren und auch kognitiv beeinträchtigten und dementen Patienten. Gleichwohl treffen sie auf Menschen aus allen Milieus und Altersstufen. Sie müssen daher auch einen patientenbezogenen Kommunikationsstil einüben. Die hohe Anforderung, die die Kommunikation mit diesen Menschen birgt, bedingt und verbindet Feingefühl, Fachkenntnisse und Kreativität, um dem Mensch vor uns auf Augenhöhe zu begegnen. Dabei ist es wichtig, medizinisches Fachjargon alltagssprachlich zu vermitteln, manchmal auch über Sprachbarrieren hinaus über Dritte zu kommunizieren und dabei stets die besondere Situation des Patienten als Stresssituation anzuerkennen.
Je nach Ausbildungsstand haben die Schüler die Möglichkeit invasive Eingriffe bei Patienten als Beobachter zu erleben (Coronarangiographie, Elektrophysiologische Untersuchungen, Punktionen aller Art). Sie werden auch einzelne spezielle Aspekte der Behandlungspflege als Assistent und später im 3. Ausbildungsjahr als Durchführer unter Aufsicht erfahren (Blasenkatheter Anlagen, Herzmonitoring, spezielle Wundbehandlung). Der Löwenanteil der Ausbildung gilt jedoch der Beobachtungsgabe. Diese wird bereits von Anfang an gezielt geschult, um präventiv und adäquat auf Patientenwohl eingehen zu können (Beobachtungen von Haut, Vitalzeichen, Atmung, Ausscheidungen und die individuelle Körperpflege). Wir legen hierbei auch einen Schwerpunkt darauf, dass Auszubildende Diagnose- und Anamneseaufgaben möglichst weit wahrnehmen, um auch soziale, situative und psychologische Aspekte der Patientensituation sehen zu können.
Meine Praxisanleiter-Qualifikation befugt mich zusammen mit Pflegepädagogen staatliche Prüfungen abzunehmen, zu dokumentieren und zu benoten. Auch praktische Leistungen während der Ausbildung gehören meiner Tätigkeit an.


Praxisanleitungstage
Ein weiteres Instrument, welches noch relativ neu ist, stellen die Praxisanleitungstage dar. Sie finden in regelmäßigen Abständen auf Station statt. Der Tag wird in Form eines achtstündigen Frühdienstes von mir geplant und auf die mir im Vorfeld bekannten Schüler (max. 4-5) angepasst. Dabei spielen die einzelnen Ausbildungsstände und die jeweilige Entwicklung des Auszubildenden eine große Rolle.
Ich plane am Morgen zusammen mit den Schülern einzelne Pflegetätigkeiten. Wir formulieren Lernziele, welche später im Rahmen von Evaluation- und Feedbackrunden überprüft werden. Das praktische Arbeiten wird hervorgehoben und mit den theoretischen Kenntnissen verknüpft. Die einzelnen Schüler werden von mir beobachtet und präzise ihren Lerntypen und Ihres Ausbildungsstandes entsprechend beurteilt. Nachdem der große Praxisteil bearbeitet wurde ist noch Zeit für kreative Einlagen. Hierbei steht der spielerische Umgang mit Hilfsmitteln wie Strukturlegeplänen, Flipchart-Präsentationen oder Mindmapping im Vordergrund und sorgt für Auflockerung und zusätzliche Motivation.
Während dem normalen Berufsalltag stehe ich auch vor der Aufgabe Praktikanten von verschiedenen Schulen oder Absolventen des freiwilligen sozialen Jahrs zu begleiten. Sie lernen bei uns kleinere Tätigkeiten wie Hände- und Flächendesinfektion, sowie Puls- und Blutdruckmessung kennen. Hauptsächlich aber können sie visuell durch Begleitung einer staatlich geprüften Pflegefachkraft den Berufsalltag in einer Akut-Klinik kennen lernen.
Sie lernen den Nutzen der Selbstpflege (das Tragen von langen Haaren, Schmuck) und den Umgang mit der Arbeitsuniform kennen. Es handelt sich hier häufig um jugendliche im Teenageralter die sich in der Entscheidungsfindung befinden. Aber auch der Umgang mit Studienanfängern oder Medizinstudenten stehen an der Tagesordnung. Der professionelle Umgang mit den verschiedenen sozialen und kulturellen Herkünften der einzelnen jungen Menschen bedarf besonderer Aufmerksamkeit und Kommunikationsformen.


Umgang mit Patienten und ihren Angehörigen
Das Hauptfeld meiner Berufserfahrung befindet sich jedoch in der direkten Arbeit mit den Patienten, die oft chronisch und unheilbar erkrankt sind. Die individuelle Pflege richtet sich nach den jeweiligen Krankheitsbildern und des Allgemeinzustandes des Patienten. Wir versorgen multimorbide Menschen, deren Bedürfnisse durch mich als qualifizierte Pflegefachkraft erkannt werden und zu einem Pflegekonzept führen, welches ich - sofern möglich mit dem Patient und auch seinen Angehörigen bespreche. Natürlich befinden sich Patienten in eine Stress- und Krisensituation, während ich mich in meinem routinierten Arbeitsumfeld befinde. Diese Differenz ist zunächst anzuerkennen, um den individuellen Wünschen aber auch den Notwendigkeiten in der Pflege des Menschen mit seinen noch vorhandenen Ressourcen gerecht zu werden. Diese auch kulturell sensible Kommunikation ist teilweise ebenso wichtig wie die Kommunikation medizinischer Aspekte der Behandlung.
Insbesondere bei Patienten, die sich in einer palliativen Situation befinden, bedarf es einer besonderen Sprache. Mimik, Gestik und auch  das “zwischen den Zeilen lesen”  hilft mir dabei die psychische Verfassung der Patienten zu erkennen und im Gespräch sensibel auf ihre Ängste und Sorgen einzugehen. Gezielte kommunikative Techniken sind hier ebenso unerlässlich wie auch situative Kreativität und Empathie. Je nach Wünschen der Angehörigen und Patienten kann ich Seelsorger in Form von Psychologen oder Geistlichen nach Gewohnheiten und Religion des Patienten anfordern.


Interkulturelle Kompetenz
Die unterschiedlichen Kulturen und Religionen der Menschen aller Welt haben auch im Krankenhaus einzug gehalten. Wir berücksichtigen dies um dem Patienten eine bestmögliche Versorgung auch seitens des soziokulturellen Umfeldes zu ermöglichen.
Die letzten Jahre, in denen Flucht und Krieg in der Welt an der Tagesordnung stehen, kommen auch wir in unserer Abteilung der Inneren Medizin mit den Schwerpunkten Kardiologie mit Rhythmologie, Nephrologie, Pulmologie immer wieder mit Patienten in Berührung, die aus Ihrer Heimat flüchten mussten.
Dies stellt hohe Anforderungen an uns. Wir lernen dabei jeden Tag auch als Team dazu. Wir versuchen Menschen in dieser spezifischen Lage sensibel und hilfreich zu begegnen. Die Herausforderungen sind komplex und keine fertigen Antworten liegen dabei auf der Hand. Ich kooperierte eng mit Flüchtlingsunterkünften, Dolmetschern und den Patienten selbst, um bestmöglich eine Verbesserung ihrer sozialer Situation herzustellen und zur Genesung beizutragen. Die immer traumatisierten Menschen, die aus medizinischen und hygienischen Gründen oft isoliert untergebracht werden mussten, bedurften einer besonderen Aufsicht. Die erschwerte Kommunikation, bei nicht immer greifbaren Dolmetschern, stellte für mich eine positive Herausforderung dar, nie ein Hindernis. Mimik und Gestik werden zu wichtigen Instrumenten und stützen auch die Vertrauensbasis zwischen Pflegeperson und Patient.


Die Anleitung und Beratung von Angehörigen nimmt in heutiger Zeit kontinuierlich zu. In Zeiten von Pflegenotstand, Neuerungen in der Gesundheitspolitik und zunehmender Präsenz der Medien in den Köpfen der Gesellschaft, sind Angehörige unsicherer und befragen immer häufiger das Internet und andere Medien. Der informierte Patient ist dabei zunächst zu begrüßen und wertzuschätzen, wenn auch gelegentlich diese Informiertheit einer besonderen Aufklärung bedarf. Diese dann auszuräumen ist nicht einfach und der Gebrauch von mobilen Endgeräten sogar während Gesprächen teilweise die Regel. Ich empfinde manchmal meine kommunikative Aufgabe besteht darin, Patienten und ihre Angehörige auf wesentliche Informationen zu konzentrieren und sie zur sorgsamen Selbstinformation anzuleiten bzw. zu befähigen. Hier bedarf es einer Sensibilisierung und Empathie aber auch die Information zur Gesetzeslage und klaren Aussagen zu pflegerischen sowie medizinischen Themen durch Ärzte sind ausnahmslos wichtig. Eine vielfältige kulturelle Verfasstheit ist natürlich auch ein Thema im Hinblick auf unser Team, weil hier viele Werte und Auffassungen miteinander im Gespräch sind, sich ergänzen, aber auch manchmal kontrovers diskutiert werden müssen.


Natürlich übernehme ich auch eine Rolle wahr, die zwischen der Ärzteschaft und den Patienten liegt: Sorgen, Ängste und auch das oft “Nicht-Verstandene” schürt Unverständnis bei Angehörigen. Da nehme ich meine Rolle als Dolmetscherin zwischen Fachjargon und Umgangssprache sehr ernst. Ich sorge für die Übersetzung der medizinischen Sprache und damit für Klarheit und Entzerrung der inneren Anspannung meines Gegenübers.


Externe Schnittstellen - Schnittstellenmanagement
Die häusliche Versorgung von Patienten stellt für Angehörige eine große Schwierigkeit dar. Ich versuche mit Hilfe von Sozialarbeitern und beruhigenden Gesprächsformen für Sicherheit zu sorgen. Nicht selten haben die Menschen die Angehörige zu Haus pflegen existenzielle Ängste.


Die größeren Städte wie auch die der Standort meines Arbeitgebers stellt die Heimat für Obdachlose und sozial Benachteiligte Menschen dar. Der respektvolle Umgang und die bedingungslose Hilfe, die schon bei Befriedigung von Alltagsbedürfnissen, wie Möglichkeit der Nutzung sanitärer Anlagen, regelmäßige Mahlzeiten, Kleidung etc, gut angenommen werden, ist unabdingbar. Ich treffe hier auf die unterschiedlichsten Typen von Menschen -- Obdachlose, Suchtkranke, Häftlinge. Jede Person und Situation bedarf eine individuelle professionelle Gesprächsführung. Die Pflege und Betreuung von suizidgefährdeten und Suchtkranken leisten wir meist auch in Zusammenarbeit mit der Polizei oder Justizbehörden. Auch hier vermittele ich zwischen unterschiedlichen Professionen, die nicht typisch für den Klinikalltag sind. Ein neutraler, klarer, empathischer und sensibler Umgang mit den oft negativen Verhaltensweisen der einzelnen Personen bildet auch den Inhalt den ich als Anleitung und Beratung an meine einzuarbeitenden Personen (Schüler, Praktikanten, Mitarbeiter) weitergebe.


Meine Arbeit kurzum, die ich seit nun 10 Jahren ausübe, hängt also von professioneller, situationsgerechter Kommunikation ab. Die Anleitung und Beratung von den Personen, die mir täglich in meinem Beruf begegnen, stellt sich für mich als die wichtigste Säule dar.

Die körperliche Arbeit und Techniken, die ich in meinem Berufsfeld anwende sind so leichter und nachvollziehbarer zu gestalten. Die eigene geistige Ausgeglichenheit ist eine Voraussetzung dafür, um auf andere positiv, sachlich aber auch empathisch einwirken zu können. Eine adäquate Gesprächsführung sorgt für Akzeptanz und Transparenz. Sie ist selbstverständlich Teil des Heilungs- und Versorgungsprozesses.


Donnerstag, 25. Mai 2017

Als Schatten in Schmiedefeld

Lange geplant war unsere Reise nach Thüringen, die gleichzeitig für mich auch Urlaub bedeutete. Nach vergleichsweise kurzer Fahrt kamen wir letzten Donnerstag in Eisenach an, schon eine Woche her, irgendwie trotzdem noch so nah.



Eine wunderschöne Stadt, restauriert vor vielen Jahren und nun wie jedes Jahr bereit für die Läufer, von diesen hat man Donnerstags aber noch nicht viele gesehen.
Mein Sebi war schon zuvor Zuhause mit großer Aufregung aufgefallen, aber in Eisenach wich diese dann schließlich der blanken Angst. Ich kicherte in mich hinein, klar konnte ich Ihn verstehen und trotzdem wünschte ich mich an seine Stelle oder einfach mit Ihm dabei zu sein. Zum einen um teilzuhaben aber auch um Ihm den Schmerz zu nehmen, denn die letzten Wochen waren einfach knallhart. Schließlich kenn ich mich mit Schmerzen nun besonders gut aus, zumindest sind meine endlich mal wieder verflogen. Leider hatte Sebi nun so manches Wehwechen aufgesucht und ich hätte mir gewünscht ich hätte es einfach wegpusten können.. Ja, ja ich weiß, das geht nicht. Bin auch nicht vom Mond - ich träum eben gern ;)

Als wir Thüringer Klöße im Partyzelt aßen und Katrin, Holger und Michael trafen hätte ich mir einfach gern auch eine verdammte Startnummer gekauft. Pasta- oder Kloßpartys sorgen einfach für eine Menge Sehnsucht bei mir nach langen langen Strecken. Leider zeigen mir die immer wieder auf wo meine Grenzen liegen.

Kann man akzeptieren - werd ich aber nicht ;)

Natürlich wäre es utopisch zu denken ich könnte hier einfach einen Ultra laufen, da fehlte mir aktuell doch wirklich die nötigen Vordistanzen und eine anständige Vorbereitung um das durchzustehen. Trotzdem überwältigte mich die Bewunderung und die Freude auf diese Veranstaltung.




Samstag früh um 4 Uhr klingelte der Wecker - nein, nicht meiner, der auf der anderen Seite (hahaha). Ich war doch eigentlich froh noch ein bisschen liegen bleiben zu können. Gleichzeitig braute in mir dieses nervöse Gefühl das Auto voll zu packen, mein völlig zugeparktes Auto rauszumanövrieren und dieses Schmiedefeld (am Rennsteig) zu finden.. (Ja, es gibt noch ein anderes Schmiedefeld.. Kopfkino.. ;))
Dieses nun völlig abgeriegelte Schmiedefeld wohlgemerkt. Die Läufer mussten sich dafür nicht interessieren, aber es gab nur einen Parkplatz den man ab 8 Uhr anfahren durfte und den galt es zu finden. Dafür musste ich dann auch eine spezielle Route fahren und konnte nicht einfach den NAVI-weg nehmen der mir vorgeschlagen wurde.. Ich nahm also lauter kleine Zwischenstopps (Ilmenau - Manebach - Stützerbach) in meine Route auf und hoffte das dass alles klappte.. Derweil hörte ich im MDR Radio dass ständig irgendwelche Thüringer Kaff-Straßen gesperrt waren wegen Unterspülung und Überschwemmung. Schließlich hatte es die 2 Tage davor heftige Unwetter gegeben und ich kannte diese Orte nicht. Panik kann ich eben gut.
Als ich das Auto nun im Schneckentempo gepackt hatte, wurde meine Hoffnung jemand der anderen Ferienwohnungsmieter hätte mein Auto entparkt enttäuscht. Da war natürlich um 8 Uhr kein Mensch weggefahren. Ich vorne und hinten also völlig dicht beparkt und rechts noch einen Eisenpoller der die Ferienwohnungsparkplätze von anderen abgrenzen sollte da irgendwie rausgeschaukelt.. Gefühlte 20 Minuten vor-zurück-vor-zurück.. und so - ihr kennt das ;)
Alltagsprobleme - aber ich war irgendwie total ängstlich und ich bin nunmal auch niemand der da jetzt Leute aus dem Bett schmeißt nur dass ich da bequem rauskomme.. Ich mach mir eben das Leben gerne schwer :)

Auf zum Parkplatz Bergstraße, dieses ging völlig Problemlos über die Bühne und da war nichts gesperrt, überschwemmt oder sonstiges im Weg. Dann vor Schmiedefeld die erwartete Umleitung durch den allertiefsten Matsch, Waldweg, Kuhweide, Schotter alles war da - vorallem Stau. Ich war schließlich nicht der einzige der da jemanden ins Ziel kommen sehen wollte .. 
Zunächst war ich aber überglücklich diesen Parkplatz gefunden zu haben und stellte das Auto ab.
Ebony (mein Hund) fand die Kuhweide super und wälzte sich im erstbesten Fladen. "Was solls" dachte ich, die hat ja auch Urlaub.
Der Weg zum Zielbereich war wunderschön. Gepflasterte Gässchen mit liebevoll gepflegten Schieferbedeckten Häuschen. Vorbei an einem Bach - in den ich den Hund reinstumpte- zumindest war der Kuhfladen Geschichte ;)



Trotzdem musste ich einen Gedanken daran verschwenden, dass Sebi zu diesem Steil am Berghang gelegenen Parkplatz gelangen musste. Ich verdrängte den Gedanken erstmal, dauerte noch ein paar Stunden und ich konnte es nicht ändern, denn die Straßen in Schmiedefeld wurden für die Routen der Marathonläufer gesperrt und die liefen irgendwie genau dort, wo ich gedachte den Sebi später einzuladen. Nix wars. 

Ich dachte halt immer an die Läufer - bzw. war es doch ein Unterschied nach dem Halbmarathon da hoch zu stapfen als nach 73,5 km.. 
Ich bin dann denn einen Berg abgestiegen den nächsten wieder hoch zum Zielbereich wo die Halbmarathon-Läufer schon einliefen. Ich war erst mal dermaßen geplättet als ich diese Menschenmassen sah dass ich geradewegs durchlief und kam dann am Kurhaus unten im Park an. Da waren nur wenige Leute. Ich wollte den Hund an Mengen gewöhnen aber ich wollte auch nicht dass sie zertrampelt wird und mir war es auch zu voll. Das machte aber nichts denn es war außen rum viel Platz, also wenn man wollte konnte man sich verkrümeln. 



Am Kurhaus war ein kleiner See angebunden. Bänke scharten sich drumherum. Da setzte ich mich erst mal auf die Restaurant-Terrasse und verpflegte uns mit Kaffee und Wasser.
Ich schaute auf die Uhr, die Post-LKW's waren da und luden allmählich auch die Marathon und Supermarathon Startbeutel aus. Die Wiese, die zuvor nur gelb war vor lauter Halbmarathonbeutel hatte sich schon ordentlich geleert.
Wir hatten nun noch ein paar Stunden Zeit und so führten wir unsere "Gassirunde" weiter. Wir begegneten der Polizei auf MTB's und noch anderen Menschen die Ihre Hunde vor dem Massenauflauf retten wollten ;)
Ich war echt überrascht wie viele Menschen da waren, obwohl ich es mir ja hätte denken können, bei der Zahl an Teilnehmern, aber ich rechne nicht gerne im Urlaub .. 
Gegen 12:30 hatten die Halbmarathon-Läufer sich aber schon so langsam entfernt und es wurde etwas luftiger. Von Buden und Ständen hatte ich trotzdem nicht viel zu Gesicht bekommen, da einfach trotzdem noch viel los war. 



Man merkte im Zielbereich wurde nun Platz für die Marathonis und die Ultraläufer.
Ein Freund schrieb mir inzwischen dass Sebi bei 64 km sei. So machte ich mich dann auf den Weg zum Ziel um den ankommenden Finishern noch ordentlich Applaus zukommen zu lassen.
Ein Schockmoment war für mich als Sebi mich auf einmal angerufen hat, da bekam ich es mit der Angst zu tun, denn zuvor hatten wir ausgemacht dass er dies nur tat wenn etwas passiert sei. Ich nahm den Hörer ab und Sebi wollte mir aber "nur" mitteilen dass er nun bei 68 km sei. Er klang fix und alle, fertig mit der Welt. Trotzdem war mir kurz schlecht und mein Herz begann nur langsam von der Hosentasche wieder Richtung Brustkorb zu wandern.
Es waren "nur" noch 5 km, und ich wusste dass würden die schlimmsten seines Lebens sein (im Moment) Ich drückte dann alle Hände, Pfoten, Daumen usw. 
Die Stimmung am Ziel war toll und meine Sentimentale Seite drohte über mich herein zu brechen. Ich wollte auch Zieleinlauf und Finisher sein. Auch "Geschafft sein", auch Medaille, aber vorallem dieses Gefühl dass nach jedem Lauf über einen herfällt..
Da stand ich nun am Ziel und wartete auf Sebis (diesmal) orangenes Kopftuch und seine (ebenfalls) orangene Müllmannhose ;). Als ich sie endlich erblickte musste ich dann doch vor lauter Freude ein Tränchen verdrücken - so stolz war ich auf Ihn! Schmerzen im Fuß und überall. Geschwollene Hände und bleierne Müdigkeit.



Jemand der nicht läuft oder nie über seine Grenzen hinaus gegangen ist kann dies wohl nicht verstehen. Aber so schlimm ein Lauf auch sein mag. Wenn man eine solche Tortur hinter sich bringt und ich habe so viele Kämpfer ankommen sehen, mit Tränen, blutende Knie, mit Kopfverband oder sonst wie lädiert. In jedem von Ihnen wurde ein kleiner Superman geboren der Kryptonit zum Frühstück isst.
Ich will auch so einer sein - ich brauch zwar noch ein bisschen, bis meine Füße gehorchen, aber so ein Leben geht auch noch ein paar Tage ;) Jedenfalls die Zeit, die ich brauch' um bereit zu sein für die Challenge. Sebi hat seine Challenge gewonnen und das ganze mühsame Training hat sich gelohnt.

Als wir zum Auto schlurften musste auch Sebi dies tun denn die Ausfahrt vom Parkplatz war tatsächlich nach hinten geschoben worden und vorne (nach Schmiedefeld rein) gesperrt worden. Das hätte ich Ihm gerne erspart doch die Strecke der Marathonis lief da unten vorbei also durfte da kein Auto mehr runter (reimte ich mir dann zusammen). Also humpelte er die Bergstraße hoch und wir fuhren Richtung (richtiger) Urlaub.

Zum Schluss möchte ich sagen, dass es ein wirklich toll organisiertes Event war und da ich schon so manches als Zuschauer miterlebt habe kann ich sagen dass diese dort auch berücksichtigt wurden. Es war zwar eng aber immer durch Wald und Flur genug Ausweichmöglichkeit vorhanden. Es waren soviele unzählige Helfer die sichtlich Spaß an Ihren Aufgaben hatten.

Was ich nicht unkommentiert lassen will und ich ja auch gerne überall Senf zugebe ist die unterschwellige Kritikäußerung auf Twitter bzgl. der Vor-Finisher in Oberhof, die bei 55km Ihre eigene Grenze erreicht haben und sich eingestehen dass es genug ist und des GUT ist. (Eine offizielle Ausstiegsmöglichkeit vom Veranstalter mit Busfahrtmöglichkeit vorgesehen). Ein Finisher mit Medaille ist man nach 55 km auf jedenfall verdient, denn auch diese müssen gelaufen werden.



Soviel von mir - ich werd' dann jetzt laufen gehen. Ansporn und Mut von den Rennsteiglern aller Distanzen konnte man am wahrlich schönsten Ziel der Welt genug erhalten.

Samstag, 13. Mai 2017

Der Super-Food-Orbit

Zwischen Bio-Galaxy und Fairtrade-Glitzer


So wie alle Ernährungsterroristen will auch ich einmal darüber aufklären was dahinter steckt.

(Achtung: Dies könnte Sarkasmus, Ironie und Wahrheit enthalten.)


Seit geraumer Zeit füllen sich die Regale immer mehr mit Chiasamen und Goji-mist. Mist sage ich extra provokativ, da ich denke man könnte auch heimische Super-Foods essen, die nicht einmal (oder mehrmals) um den Globus geflogen sind.



Na klar, kann man mir jetzt die Bananen, die ich täglich verspeise um die Ohren hauen aber ich will nur erreichen, dass jeder einen kurzen Moment aufatmet und kritisch betrachtet wo die Lebensmittel herkommen, die wir uns so BIO - so umweltbewusst - so fair in den Einkaufswagen stopfen. Das BIO-Fass will ich lieber erst gar nicht öffnen, denn Bio bedeutet nicht gleichzeitig super...
Regional müsste es sein. Etwas auf das wir alle abfahren. Bio also, unter kontrolliertem Anbau, natürlich gewachsen ohne bestimmte Chemikalien die in der Großindustrie gängig sind. Heißt aber nicht das Sie besser sind, da BIO von der gesamten Welt stammen kann.
Wir wollen damit unser BIO-Gewissen grün färben, und genauso geht es uns mit den trendigen sogenannten Superfoods, die außerordentlich gesund scheinen und uns in die Alternative Ebene von "Veggie" und "Eat-clean" schnuppern lässt.

Derweil erkunden wir den Supermarkt und merken nicht wie unser CO2-Fußabdruck stetig wächst, da die Bio-Äpfel aus Neuseeland gerade im Angebot sind und das Quinoa-Urkorn aus jeder Ecke zu sprießen scheint.

Wir haben uns eine Superfood-Zwickmühle angelacht.

Die Länder, von denen die Produkte stammen sind meist Entwicklungsländer und die Menschen die dafür sorge Tragen dass Sie letztendlich gepflückt in unserem Einkaufswagen landen bekommen nur den Bruchteil dessen, was die meist hochpreisigen Lebensmittel letztendlich kosten.
Man will aber nun unterstützen, denn oft hängt auch ein Fairtrade-Siegel dran. Die Bauern die, die Früchte hegen und pflegen könnten sich die Ware gar nicht leisten und sind in den Strudel der westlichen Konsumgesellschaft geraten.


Mit uns nicht - aber ohne uns geht es scheinbar auch nicht. 


Wenn wir die Dinge nicht kaufen, wird es auch nicht besser. Deshalb muss man sich im Vorfeld die verschiedenen Siegel ansehen und feststellen ob diese auch seriös sind.



Ein "Superessen" das aus ferner Welt angereist kommt und die alles rettenden Super-Vitamine und Eiweißquellen enthält. Davon hat unsere Apfel-Karotten-Acker-Kultur immer geträumt. Wenn wir nur ein Löffel davon nehmen werden Nieren neu geboren und Muskelzellen explodieren zum "8-pack" ;)

Die 100g Goji-Beeren für 4,79 € geben uns den Vitamin-C-Kick schlechthin. Das stimmt sogar, aber unsere heimische Johannisbeere schafft das allemal. (Ja, auch die kann man ins Müsli mischen). Chia-glibber in Joghurt oder Shakes soll dem Fitnesslevel einen ordentlich Powerboost bescheren - dabei haben Brennnesselsamen einen ähnlichen Proteingehalt. Sogar die Omega-3-Fettsäuren von Leinsamen sind höher als die der Chiasamen!



Eine kleine Gegenüberstellung der Gladiatoren hat ergeben:



Gojibeeren        vs.     Johannisbeeren, Sanddorn, Hagebutten

Chiasamen       vs.      Leinsamen, Brennnesselsamen

Matchapulver       vs.      Kamille, Lavendel, Löwenzahn, Hagebutte

Quinoa         vs.       Hirse, Grünkern, Dinkel

Acai      vs.        Heidelbeere, Sauerkirsche, Rapsöl/Leinsamenöl



Natürlich findet man obige Liste zu Hauf im Netz und allen möglichen Magazinen aber wer hat sich tatsächlich mal damit auseinander gesetzt?
Man darf kaufen was man möchte ABER vielleicht wird der eine oder andere darüber nachdenken ob die trendigen Superfoods, die teuer sind und teils aus einem anderen Universum stammen wirklich nötig sind ;)

Ich wünsche mir für jeden Leser ein Bewusstsein dafür was der logische und richtige Weg ist im Hinblick auf unsere Umwelt (und den Geldbeutel). Möge jeder seine Rolle darin finden ;) Man muss nicht 100% geben aber stellt euch vor, jeder würde einen kleinen Beitrag leisten.

Ja, wie immer klingt mein Schluss etwas theatralisch und übertrieben aber es ist mir eben ein Anliegen. Ohnehin stammen die wahren Superfoods nicht hieraus: :)



Essen, Umwelt, Gesundheit, und ein bisschen (viel) Bewegung - meine Symbiose eben. 




Samstag, 22. April 2017

Zuviele Fettnäpfchen

Neulich oder auch vor einigen Posts kommentierte meine liebe Kollegin .."jeder würde bei mir sein Fett weg bekommen".. , mit der richtigen Einstellung eines Jeden ist da wohl auch 100% Wahrheit dran :)



Mein Basisprogramm zur Gewichtsreduktion habe ich bisher mit freiwilligen  Probanden durchgeführt, mein Fazit daraus beschränkt sich auf "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", im Umkehrschluss bedeutet dies natürlich auch "ohne Wille, kein Weg", Abnehmen ist nichts dass man eben mal so macht, sondern eine Lebenseinstellung die bleibt.. Alles andere führt nur zum Jo-Jo-Effekt oder zum Stillstand, beides führt zu unendlicher Frustration..

Man kann sich Kunden nicht aussuchen und da ich kein Geschäft besitze, kann ich diese auch nicht so nennen. Bisher habe ich meine Ernährungslitaneien eher auf freiwillige ehrenamtliche Basis ausposaunt, aber hauptsächlich im Beruf, wo meiner Meinung nach so einige Menschen ernährungsbedingt schwere Erkrankungen erworben haben, kann ich nun öfter mal meinen fachlichen Senf dazu geben. Es werden natürlich die Schweren Erkrankungen behandelt, die unter Umständen lebensbedrohlich sind, trotzdem wird nie nie nie mal darauf hingewiesen wie man vielleicht noch etwas entgegen wirken könnte. Oft ist dies vielleicht nicht mehr hilfreich, denn ich sehe ein dass 95 jährige Menschen wohl kaum noch Tipps zur gesunden Ernährung brauchen. Aber die Menschen die nun immer häufiger kommen sind zwischen 45 und 65 und teilweise so schwer, dass unsere Waage nicht mehr zum Einsatz kommen kann.. Traurig dass dann nicht am Hauptproblem geschraubt wird. Herzinfarkt, Diabetes mellitus usw. sind behandlungspflichtig aber Übergewicht ist immer noch ein Tabu, das Problem jedes einzelnen, schließlich kann man Gewichtsabnahme verordnen, aber es ist langwieriger und anstrengender als Insulin zu spritzen oder einen Herzkatheter mit Stentimplantationen zu erhalten. Mein tägliches Brot.



Da ich nun aber die Fähigkeit besitze zu beraten tue ich dass auch, in der Hoffnung dass ein paar Brocken hängen bleiben. Ich liebe es Ansprechpartner zu sein, nicht nur für meine Patienten, aber auch für viele Personen um mich herum. Mit so wenig Antwort oder Infos kann man so viel Klarheit schaffen.

Unsere tägliche Ernährung setzt sich aus den 3 Hauptnährstoffen Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten zusammen, natürlich sind Mineralstoffe und Vitamine nicht minder Wichtig aber dass würde den Blog sprengen, deshalb kommt dass in einem anderen Beitrag. :)
Das meines Erachtens größte Problem bei der Ernährung liegt wohl im Fettgehalt der Speisen die die Menschen sich zuführen. Wenn man bedenkt dass kleine Menschen (ich gehe von mir selbst aus ;)) nur 45-50g Fett pro Tag essen sollten dann erschließt sich dem ein oder anderen vielleicht schon von ganz alleine wo der Knackpunkt liegt. Man nehme 600g Hähnchen (4 Portionen) und einen Schokoriegel (der mit gesunder Milch und Cerealien) und vergleiche den Fettgehalt, bedeutet 5g vs. 8g. Wie viel Nährwert haben 4 Portionen Hähnchenfleisch im Gegensatz zu diesem einen leeren Schokoriegel. Beides hat Vor- und Nachteile und ich streite nicht ab dass ich manchmal auch dringend einen Schokoriegel brauche aber trotzdem sollte man darauf achten dass das Fett das man am Tag zur Verfügung hat mit gesunden Lebensmitteln zu decken ist und der Schokoriegel auch vor kommen kann - aber auch bedeutet dass etwas anderes reduziert werden muss. Man kann schließlich nicht alles haben ;)
Ich rede nicht über sportliche Menschen, denn gerade diese achten meist  sehr genau auf Ihre Ernährung und wenn sie es "mal" nicht tun haben Sie es beim nächsten Training wieder verbrannt oder haben es  zuvor schon verbrannt.



Für alle die, welche mit den Kilos kämpfen und sich immer Fragen wo schlanke Menschen das denn "alles hin essen", so liegt es doch meist daran dass sie sich regelmäßig sportlich betätigen oder zu den wenigen Prozent der Menschheit gehören die einen wohlwollenden - alles - möglich - machenden - Stoffwechsel besitzen.
Um 1 kg Körperfett abzubauen muss man im Vorfeld einiges leisten, denn dafür müssen ganze 7.000 kcal eingespart werden. Dabei darf man Körperfett mit reinem Fett nicht verwechseln. 1 kg reines Fett hat 9.300 kcal, 1 kg Körperfett besteht aber nicht nur aus reinem Fett sondern auch aus Zellen mit Wasser und Eiweiß, daher kommt man auf rund 7.000 kcal beim Körperfett (nur am Rande ;))



Jetzt kann man aber auch erkennen warum gesundes Abnehmen Geduld und Zeit braucht, denn selbst wenn 7 Tage die Woche 500 kcal gespart werden kann man erst auf ein 1/2 kilo weniger Gewicht hoffen. Dies kann man mit ausreichend Bewegung/Sport natürlich unterstützen und beschleunigen. Die die zu Beginn Ihrer Gewichtsreduktion sehr viel Gewicht verlieren wiegen meist auch viel mehr als die, die nur 5 kg zum Normalgewicht erreichen möchten.

Gesund und völlig normal sind 0,5-1kg pro Woche.


Wer jetzt meint ich würde Fette verteufeln, tut mir unrecht. Es gilt nur ein gewisses Maß einzuhalten (0,8g Fett pro kg Körpergewicht - Normal- oder Idealgewicht bezogen) und natürlich das richtige Fett zu essen.
Fett ist nicht gleich Fett! Wie bei uns Menschen gibt es gute und böse ;)

Ein kleiner Überblick

gesättigte Fettsäuren (böse)





Dann gibt es noch die "guten" (einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren), diese sollten den Großteil unserer Fettzufuhr ausmachen. Dazu kommt nun noch das mehrfach ungesättigte Fettsäuren vom Körper nicht selbst hergestellt werden können und unbedingt zugeführt werden müssten, auch hier eine kleine Übersicht:

einfach ungesättigte Fette:          Olivenöl, Rapsöl, Avocados, Nüsse, Samen

mehrfach ungesättigte Fette:  

Omega-6-Fettsäuren:              Nüsse, Maiskeimöl, Sonnenblumenöl, Weizenkeimöl, Distelöl

Omega-3-Fettsäuren:              Lein-, Soja-, Walnuss-, Rapsöl, fettreiche Fischsorten (Makrele, Lachs,
                                                 Hering, Forelle, Thunfisch)

Wie man erkennen kann liegen Pflanzenöle weit vorne :)

Um das ganze auch Vegetarier/Veganer - freundlich zu gestalten gibt es natürlich neben den Fischsorten mittlerweile Omega-3- oder 6-Fettsäure Kapseln die aus Algenöl oder aus verschiedenen Pflanzenölen zusammengesetzt sind.



Dieses Thema ist unendlich fett, deshalb kann man Bücherweise Literatur und Rezeptbücher finden die das Thema Low Fat oder "gesundes" Fett nochmals aufgreifen. Ich denke wenn man die Basics weiß und versucht diese zu beherzigen ist man schon weit. Zuviele Menschen greifen immer noch wahllos zu Lebensmitteln und jeder noch so kleine Gedanke über das Stück auf dem Teller ist Gold wert!

Guten Appetit! :)

Samstag, 15. April 2017

"M" G43.9 - Das Übel im Kopf

ekelerregend, hart, stechend, dumpf, existienziell, schmerzend, weinend, vom Leben aufgegeben, unstillbar, resistent, unerwartet, zerstörend, spaltend, dunkel, leise, mörderisch, alleine... alles nur Worte - aber solche die einem im Kopf schwirren, während einem Tag;

Migräne


Es ist fast schon eine Geschichte, meine Geschichte, die ich nun schon über 15 Jahre mit mir herumtrage. Es ist ein kleiner Teil von mir, trotzdem einschneidend und niederschmetternd. Schnell wieder vorbei aber scheinbar unendlich.
Wer Sie schon erlebt hat weiß wovon ich rede, und ich bin froh dass meine nach maximal 24h auch wieder verschwindet, immerhin hält es bei anderen mehrere Tage und gar Wochen an. Da darf ich mich wohl auch wieder glücklich schätzen.
Seit ich 14 Jahre alt bin, erschüttern widerliche Anfälle meinen Kopf. Im Fachbuch steht dass Sie häufig im 35.-40. Lebensjahr ausbricht und etwa 12-14% der Frauen und ca. 6% der Männer betroffen sind.
Ich versuche oft Sie einzugrenzen, festzustellen wann es kommt aber es geht nicht. Als Jugendliche war ich teilweise 3x pro Woche außer Gefecht gesetzt und später mehrmals pro Monat. Es kam auch vor dass Sie 6 Monate aus blieb und dann wieder alle 10 Tage antanzte.
Man führt schon irgendwie ein Doppelleben, mit dieser Bombe im Kopf die jederzeit explodieren kann. Man plant sein Leben, macht Termine oder Verabredungen aus - und "bääääm" da kommt Sie auch schon... Rigoros zerschmettert Sie einfach alle Vorhaben und reduziert diese aufs Bett und geschlossene Rolladen. Natürlich erwischt es mich auch wenn ich mal nichts vorhabe.. nur dann muss man sich nicht erklären. Diese Gesichter und Tonlagen die zur Antwort kommen, wenn man von Migräne spricht gehen schon weit auseinander. Meist kann das gegenüber nur schwer verstehen dass es wirklich ist und meint es sei "nur" Kopfschmerz - den man hin und wieder vielleicht als Ausrede einsetzt.. OHHHHHH NEIN.. Migräne ist ein Kopfschmerz in Dimensionen die man sich nur vorstellen kann wenn man diese selbst durchlebt hat. Denn es nutzt nichts, sich kurz mal auszuruhen, es nutzt nichts sich Medikamente einzuwerfen.. es nutzt einfach nichts.



Da liegt man nun, dunkler Raum, vorzugsweise mit Bett, denn Fernsehergeräusche machen dass ganze noch unerträglicher. Begleitet von Übelkeit und Erbrechen will ich manchmal meinen Kopf an die Wand schlagen um den dumpfen, drückenden Schmerz zu überbieten. Manchmal "nur" weinend, manchmal ganz still, wenn man zwischen Trance und Realität schwebt. Ich neige schon etwas zu Melancholie, was wohl mit meinem Sensibelchen-Ich zusammen hängt. Vielleicht kann ich so das Geschehnis aber auch besser aushalten. Schließlich weiß ich dass morgen alles wieder Gut ist.
Es ist trotzdem schwer zu ertragen dass mir kostbare Lebenszeit so genommen wird und so führt jeglicher Anflug dieser Pest schon zu deprimierender Stimmung. Unendlich Traurig gebe ich mich mittlerweile geschlagen und verzieh mich mit meinem Eimer.

Es ist nicht alles Gold was glänzt! Jedem dem du begegnest, mag den Anschein erwecken alles sei Super. Aber es hat jeder sein Päckchen zu Tragen. Ich liebe diese Floskel, weil ich Sie wirklich als Wahr empfinde. Natürlich gibts auch die, die sich rundum glücklich schätzen. Zwischen, Nach und Vor meinen Migräne-Anfällen bin ich das auch.

Meine Freunde kennen das. Wir mussten schon so manchen "Musik"-Party-Abend früher verlassen, nebenbei muss man dann ins Feld oder den Mülleimer im Kinosaal beehren. Da braucht man nichts schön reden. Die meisten Veranstaltungen konnte ich erst gar nicht besuchen, obwohl es so lange geplant war. Außerplanmäßige Stops auf Autobahnen dürfen auch nicht fehlen, ich weiß wie es hinter Leitplanken aussieht. Man darf einen Tag später auch drüber lachen.

Mein Mann und meine beste Freundin müssen mich nur kurz ansehen. Sie wissen schon vor mir wie mein Tag ausgeht.
Ich ging krank zur Arbeit und damit auch krank von der Arbeit, immerhin dass habe ich mir gemerkt und bleibe nun gleich Zuhause anstatt den Märtyrer zu spielen. Den will niemand haben.

Es tut weh - als wären Arterien zerborsten oder Risse im Schädel. Als würde ein eiserner Schraubstock mit ganzer Kraft die Ohren zusammendrücken. Fast schon poetisch ;)
Vielleicht ist dass das positive der Schmerzen. Man kann in allem etwas positives finden. tiefsinnig und empathisch wird man allemal, wenn man soetwas durchgestanden hat.
Ich könnte sogar ein Buch über Toiletten schreiben, nämlich welche super sind und wo man nicht mal zum "sich übergeben" hingehen sollte...:) Man lernt dazu!
Bevor man sicher sein kann dass es Migräne ist (schließlich war ich 14) habe ich im Laufe der nächsten Jahre so einiges abklären lassen. Von EEG über CT zeigten sich zum Glück keine Spinnereien. Lediglich ein paar hässlich durcheinander geratene Hormone wirbeln in mir ihr Unwetter. Tja, so unspannend Hormone auch sind, habe ich es mir wohl mit ebendiesen grundlegend verscherzt ;)

Die Medizin ist ziemlich erfinderisch und es gibt so viele Behandlungsmöglichkeiten für Madame Migräne. Von niedrigdosierten ß-Blockergaben, über Triptane  und andere Langzeitmedikamente, sogar Antiepileptika. Das meiste habe ich ausprobiert. Mir wurde von den Medikamenten nur noch mehr übel, deshalb habe ich für mich festgelegt, einfach nichts mehr zu nehmen, sowieso ungesund für Leber und Co. Sogar mein Hausarzt der mir starke Schmerzinfusionen zukommen ließ hat nicht schlecht gestaunt dass ich irgendwie resistent scheine.



Das einfachste Rezept bei Migräne ist für mich ein Bett, ein Eimer und ein geschlossenes Fenster mit Rolladen. Dann ein paar Stunden - maximal ein Tag warten. Fertig. Mein Leben geht weiter.

Es soll Sie geben - die Trigger ;) Auch diese Parmesan - Rotweingeschichten versuchte ich und es hat nichts gebracht. Rotwein trinke ich sowieso nicht aber bei Parmesan bin ich echt froh. Den liebe ich. Der darf bei den Pasta-Partys nicht fehlen.
Yoga, progressive Muskelentspannung, Dehnübungen, Gewichtsreduktion. Das alles tut super gut, aber die Migräne bleibt. Ich habe mich damit abgefunden, und dass fällt mir leicht zu schreiben, während ich gerade keine Schmerzen habe aber wenn es dann mal wieder soweit ist und das Leben einfach so gemein erscheint, muss man sich trösten, denn es geht vorbei.
Natürlich weiß ich, da ich es jeden Tag sehen muss dass es anderen Menschen wesentlich schlechter geht und diese hätten wahrscheinlich gerne einfach Migräne anstelle von chronisch degenerativen Erkrankungen.
Daran werde ich jeden Tag erinnert wenn ich zur Arbeit gehe. Trotzdem war es mir wichtig klarzustellen dass Migräne nicht einfach Kopfschmerz bedeutet.


Sie lässt die Uhren still stehen!


Dienstag, 4. April 2017

Main Zuhause

Schon immer wohne ich an diesem Fleck.


Oft habe ich mir vorgestellt wie es wäre wenn ich anderswo wohnen würde. Einfach weg ziehen, einfach umziehen, packen, einziehen. Diesen Gedanken habe ich oft mit mir rumgetragen - weiter bin ich nicht gekommen.
Vor 13 Jahren als ich meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin begonnen hatte - so ohne Führerschein, blieb mir nichts anderes übrig als ins "Schülerwohnheim" am Krankenhaus zu ziehen, dort war die Berufsfachschule und mein Ausbildungsbetrieb, ich hatte alles innerhalb von 300m. Es war schlimm. Ich musste mich auf 1 Zimmer beschränken, was mir echt schwer gefallen ist, da ich Zuhause überall so meine Lagerungsecken habe, da es vorübergehend geplant war hatte ich dann doch nicht alle meine Sachen mitgenommen. Es war laut und kalt und manchmal auch etwas langweilig. Ich hatte direkt gegenüber zwar die beste Kollegin die man sich wünschen konnte für diese 3 Jahre - trotzdem, war es nicht mein Zuhause und ich bin jedes Wochenende und so oft es ging nach den Diensten oder meinen freien Tagen heim.
Was ich hier von mir gebe ist wohl jammern auf höchstem Niveau denn mein Zuhause war 7 Auto Minuten vom Krankenhaus entfernt und andere Menschen die ich nun kennengelernt habe würden mich auslachen, tun es vielleicht auch.


Der Klotz ganz links war mein Wohnheim, gleichzeitig Schule und rechts das Krankenhaus


Ich kann mir einfach nicht vorstellen wo anders zu wohnen, mein Zimmer, mein Stockwerk hier im Haus meiner Eltern, unser Garten, meine beste Freundin 2 Häuser weiter, alle Verwandten im gleichen Ort. Ich weiß gar nicht warum ich so fühle aber ich fühle mich nirgends so sehr Zuhause wie hier - und ich werde auch nirgends hin gehn. Ich kann blind durch den kleinen Ort gehen und würde überall ankommen. Ich hab den Wald um die Ecke und den Main die Straße runter.
Mein Bruder, schon fast ein Nomade wohnt schon lange nicht mehr hier, reiste durch die Welt und in Deutschland umher, wechselnde Wohnungen, wechselnde Nachbarn, wechselndes Zuhause. Nichts für mich. Selbst wenn meine Nachbarn dies lesen würden kann ich beruhigt sagen, dass ich gerne hier bin. Nicht jeder kann aus seiner Haut aber ich bin froh mit den Leuten die ich seit 30 Jahren hier um mich habe. Die mich kennen - oder auch nicht mehr. An die ich gewöhnt bin und Sie akzeptiere.



Letzten Sonntag wäre mein 25 km Wettkampf in Seligenstadt gewesen und 2 Wochen zuvor, nach meinem letzten 20 km Lauf merkte ich ganz ekelhaft wieder meine Plantarsehen guten Tag sagen. Ich beschloss sofort eine Laufpause zu machen, da ich zuvor mal den Schmerz ignorierte - Nicht gut. Jetzt fängt die 3. Woche ohne Laufen an und es ist sehr mühsam, traurig und ich bin echt geknickt dass es schon wieder ein kleiner Rückschlag war. Ich habe vermehrt Stabilisationstraining gemacht und bin Rad gefahren, zahlreiche Stundenlange Wanderungen mit meinem Hund erledigt und kann jetzt sagen, dass es gut war. Ich denke Ende nächster Woche werde ich mal wieder ein Probeläufchen machen (Ostern).
Wenn man den Ultraläufer vor der Nase hat ist es schwer für mich ruhig zu bleiben, ich erhöhe mein Training und versuche irgendwie da mitzumachen (hahahaha).. Ich kann nicht mithalten, das weiß ich aber dieses Verletzungsfreie Megaman-Training meines Mannes würde ich aber so gern mit machen. Nicht das Tempo aber die Distanzen. Ich schaute also wieder gespannt zu wie er sein Rennsteig-Training durchläuft und ich bin so stolz wie er das macht. Furchtlos, Stark, Diszipliniert, so voller Leidenschaft.
Letzten Sonntag also lief er 40km durch den Spessart und ich konnte nicht anders als auf mein MTB zu steigen und los zufahren.



Ich fuhr los als dicke Regentropfen meine noch traurige Stimmung drückten und ich an den Start des Wasserlaufs in Seligenstadt denken musste, den ich aus Vernunft nicht angetreten war. Ich entschied mich für die andere Richtung und fuhr Richtung Miltenberg. Ich wurde richtig nass und ließ mir noch offen wie weit ich fahren würde. Ohne Musik und nur mit mir selber war ich recht einsam auf meinem Rad und dachte an Zuhause - was mich zu diesem Blog führte. Ich kam an so vielen Ortschaften vorbei mit denen ich mich verbunden fühlte. Am Main entlang nach Miltenberg dachte ich darüber nach wie gern ich hier eigentlich bin und wenn man da so vor sich hin fährt wird man ja ganz sentimental. ;)


Wenn man Tag ein Tag aus "wohnt" vergisst man manchmal wie schön es um einen herum ist. 




Die Clingenburg über der hübschen Klingenberger Altstadt mit seinen Weinbergen, den ganzen Weg entlang zwischen Erlenbach und Großheubach. Das Kloster das direkt auf dem Engelberg sitzt, wo ich mit dem Musikverein früher unterwegs war. Ich liebte nicht die Kirche aber doch irgendwie die Musik zu Wallfahrten. Den Musikverein habe ich nun schon lange hinter mir gelassen, da es nicht mehr in mein Leben passte und zu zeitintensiv wurde. Ich sage immer ich bin doch der gleiche Mensch, aber wenn man die Zeit seines vergangenen Lebens durchgeht... - doch nicht. Mein Sport ist längst zeitintensiver geworden als ich je in meine Klarinette gesteckt hatte. Trotzdem hole ich Sie jedes Jahr an Weihnachten raus und spiele.





In Kleinheubach steht ein Schloss und in Miltenberg prangt die Mildenburg, ein Kirchturm nach dem anderen ragt in den Himmel. Vertraute Bilder die ich sehe, während ich mit durchschnittlich 20km/h durch die Gegend fahre. Ich denke für mich war es schnell genug - ich bin zufrieden :)
Das "Schülerwohnheim" und das Krankenhaus in Erlenbach sehe ich aus weiter Ferne am Waldrand bis ich durch die stinkenden Glanzstoffwerke nach Elsenfeld komme. Das Bahnhofsgebiet war überfüllt mit Menschen die Ihr Ziel noch nicht erreicht hatten. Ich auch nicht dachte ich. Inzwischen hatte die Sonne angefangen zu scheinen und ich entschied mich doch noch weiter zu fahren. Die Obernburger Fußgängerbrücke über den Main ließ ich also hinter mir. Unzählige Male bin ich über sie gelaufen. So viele nette Rundwege und Brücken über die man immer neue Laufwege entdeckt. Unglaublich viele Richtungen und neue Entdeckungen hatte ich von hier aus zu Fuß schon gemacht..



In Kleinwallstadt angekommen, fuhr ich rasch vorbei am Altenwohnheim dass, das Arbeitsleben meiner Mutter verschlungen hat und den Grundstein meines Berufswunsches gelegt hat. Zu oft hatte ich Essen gereicht, Rollstühle geschoben und auch Rollstuhlrennen veranstaltet. Ich bin dort oft gewesen, zu oft. Deshalb weiter..
Der Zug hatte mich entlang der Gleise schon eingeholt als ich am Klärwerk vorbei kam. Auf dem Weg zum geliebten Aschaffenburg, musste ich noch schnell durch Sulzbach und Obernau. Nicht so viele Verbindungen zu diesen Punkten aber zu Fuß immer ein willkommenes Ziel.. Die schimpfenden Umgehungsstraßenschilder ließ ich hinter mir. Das ist wohl eines der negativen Seiten dieser Region. Ich hab das Gefühl die Menschen sind so verwöhnt, verwöhnt vom Wohlstand dass Sie immer etwas zu beanstanden haben. Die Umgehungsstraße kann ich noch nachvollziehen wenn  man an dieser Durchfahrtsstraße wohnt. An der A3 Autobahn durch den Spessart kann man aber nun lesen "Nationalpark - Nein, Danke". Ich bin dafür. Ich bin der Meinung alles was jetzt noch grün ist muss es auch bleiben. Viel zu viel fuhrwerkt die Menschheit im Wald herum. Ich bin total erschrocken wie abgerodet unser Wäldchen um die Ecke nun ist.. Schlimm..



Die Turmspitzen des Aschaffenburger Schloss Johannisburg kommen mir entgegen und ich freue mich endlich dort zu sein. Es war eine Lange windige Fahrt von Miltenberg nach Aschaffenburg.
Leider waren die Fotos nicht ganz so schön anzuschauen da es recht trüb war und wolkig. Aber die eigene Heimat ist wohl selbst im tristen grau bunt.
Als ich in Aschaffenburg auf der Willigisbrücke kurz stehen blieb hatte ich schon eine Nachricht von Sebi dass er zuhause war und so fuhr ich nun auch heim. Jetzt war es nicht mehr weit.
Durch Nilkheim durch, wo mich auf dem Sattel nun kein Stau lahm legen konnte immer am Main entlang. Er fließt da einfach vor sich hin..



Über Niedernberg, wo ich früher zur Schule ging war es nur noch ein Katzensprung an unserer blauen Brücke vorbei (3,3 km von zuhause). Von da kenne ich wohl jeden km von Anfang bis Ende..
Zuhause fuhr ich dann noch meine liebste Laufrunde ab um schließlich völlig müde nach 80 km heim zu kommen. Um meinem Ernährungsblog gerecht zu werden, erzähle ich euch noch von meiner Verpflegung während der Fahrt. Obstpüree und ein Balisto ;)..



Ich kenne viele Menschen die oft umgezogen sind und keine Probleme mit neuen Umgebungen haben. Ich fahre weltweit gerne in den Urlaub, von mir aus auch monatelang. Aber Zuhause ist nur hier.

Schon immer - für immer.